Der Wunschkaiserschnitt ist ein Thema, über das sehr viel diskutiert wird. Wie viele andere Frauen, habe auch ich mich sehr intensiv während der Schwangerschaft damit beschäftigt. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich hier einmal all das zusammentragen, was ich in dieser Zeit gelesen oder von anderen Müttern zu hören bekommen habe:

Vieles von dem, was für einen Wunschkaiserschnitt spricht, ist wohl allgemein bekannt. Einiges war mir aber vollkommen neu, manches hat mich überrascht:

Pro

  • bei einer natürlichen Geburt gibt es eine größere Gefahr für den Verbleib von Schwangerschaftsresten in der Gebärmutter und damit eine größere Gefahr für eine Entzündung
  • das KISS-Syndrom beim Baby ist in der Regel nur bei normaler Geburt möglich, in extrem seltenen Fällen auch beim Notkaiserschnitt, nicht zu erwarten ist es beim Wunschkaiserschnitt
  • keine Bindehautentzündung beim Baby durch Ansteckung unter der Geburt im Geburtskanal
  • Beckenprobleme beim Baby sind beim Kaiserschnitt deutlich seltener, manche Ärzte verzichten nach einem Kaiserschnitt sogar auf die Ultraschall-Untersuchung des Babys bei der U3
  • Beckenprobleme bei der Mutter sind nach einer natürlichen Geburt nicht auszuschließen, beim Kaiserschnitt besteht diese Gefahr nicht
  • Geburtsverletzungen bei der Mutter im Genitalbereich werden ausgeschlossen
  • das Wochenbett verläuft nach einem Kaiserschnitt häufig deutlich kürzer als nach einer natürlichen Geburt
  • die Geburt und damit auch der Geburtstermin sind planbar
  • die Mutter ist während der Geburt schmerzfrei
  • der Beckenboden wird weniger strapaziert, es gibt ein geringeres Risiko für spätere Inkontinenz
  • der Geschlechtsverkehr wird in der Regel deutlich früher wieder stattfinden, nur wenige Frauen haben kurz nach einer natürlichen Geburt ein Verlangen danach

Wie alles im Leben, gibt es nicht nur positive Seiten und im medizinischen Bereich darf man wohl überall mit “Risiken und Nebenwirkungen” rechnen:

Contra

  • ein Wunschkaiserschnitt ist eine OP, die notwendige Narkose ist alles andere als risikofrei
  • es gibt einen Bauchschnitt mit entsprechender Narbenbildung, allerdings befindet sich die Narbe im sog. Bekinibereich und ist daher kaum zu sehen
  • das Aufstehen nach der Geburt wird auf später verschoben, nur nach einer vaginalen Entbindung ist direkt nach der Geburt an Laufen zu denken
  • Narbenschmerzen sind nach der Geburt zu erwarten, allerdings ist die Einnahme von Schmerzmitteln auch beim Stillen möglich
  • Taubheitsgefühle sind über Monate im gesamten Bereich der Narbe sowie ober- und unterhalb der Narbe möglich und sogar sehr wahrscheinlich
  • bei einer weiteren Schwangerschaft besteht die Gefahr einer Ruptur der Narbe, wenn dann natürlich entbunden werden soll

Insgesamt läßt sich feststellen, dass die Risiken für das Baby bei einem geplanten Kaiserschnitt geringer sind. Dennoch wird immer wieder mit einem Verweis auf die Gesundheit des Babys für eine vaginale Entbindung regelrecht geworben. Vor allem heißt es, dass das Fruchtwasser bei einer natürlichen Geburt aus den Lungen des Babys herausgedrückt würde. Inwischen habe ich mir von mehr als nur einem Arzt erklären lassen, dass Rippenbrüche beim Baby zu erwarten wären, wenn diese Aussage einen Wahrheitsgehalt hätte. Aber das ist nicht der einzige Mythos:

Mythen rund um den Kaiserschnitt

  • Stillen: Auch hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man nach einem Kaiserschnitt nicht stillen kann. Aus eigener Erfahrung kann ich mit Sicherheit sagen: auch nach einem Kaiserschnitt kann man stillen!
  • Bonding: Das Bonding wird durch einen Kaiserschnitt entgegen häufiger Meinung nicht erschwert. Inzwischen gibt es auch wissenschaftliche Studien, die belegen, dass das Mutter-Kind-Verhältnis von dem Geburtserlebnis unabhängig ist.
  • Traumatisierung: Die Meinung, dass Frauen nur durch eine natürliche Geburt traumatisiert werden können ist leider so auch nicht richtig. Es soll durchaus Frauen geben, die aufgrund eines fehlenden Geburtserlebnisses nach einem Kaiserschnitt psychisch leiden.
  • Rückbildungsgymnastik: Ich habe tatsächlich gehört, dass Frauen nach einem Kaiserschnitt keine Rückbildungsgymnastik machen können. Aus eigener Erfahrung kann ich das Gegenteil bestätigen.
  • Einmal Kaiserschnitt – immer Kaiserschnitt: Diese Aussage stimmt nicht, auch nach einem Kaiserschnitt ist eine natürliche Entbindung noch möglich.

Interessant finde ich, dass viele Prominente per Kaiserschnitt entbinden. Dabei befürworten häufig auch Ärzte diesen Schritt. Hintergrund ist das Haftungsrisiko. Einen Geburtsfehler kann sich ein Arzt hier mit Sicherheit nicht erlauben. Um das Risiko zu minimieren, wird der Kaiserschnitt bevorzugt. Für alle “Normalsterblichen” sieht das Haftungsrisiko aus ärztlicher Sicht so aus: bei einer natürlichen Geburt liegt das Risiko in der Regel bei der Hebamme, erst wenn ein ärztliches Eingreifen notwendig wird, haftet der Arzt. Kommt es zu einem Geburtsfehler kann dieser zudem sicher sein, dass die Beurteilung seiner Arbeit bei Einschalten der Bundesärztekammer durch Ärzte seiner Fachrichtung und damit von Kollegen erfolgt. Nur bei Prominenten unterliegt der Arzt der Gefahr einer öffentlichen Bewertung seiner Arbeit.

Wer mag, kann sich das Buch “Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht” ansehen. Hier hat man die Möglichkeit, Kaiserschnittnarben zu sehen. Ich habe mir dieses Buch nicht angesehen und kann daher auch keine Aussage machen, inwieweit es sich um Narben aufgrund alter oder neuer OP-Methoden handelt oder aus welchem Grund der Kaiserschnitt erfolgte. Da bei mir in jedem Fall ein Kaiserschnitt erforderlich war, wollte ich mich damit nicht unnötig belasten und kann nur sagen, dass ich mit meiner Narbe super zufrieden bin und mich immer wieder für einen Kaiserschnitt entscheiden würde.

Meine Entscheidung steht fest

Ich würde mich immer wieder für einen Kaiserschnitt entscheiden. Obwohl ich einen medizinisch notwendigen Kaiserschnitt hatte, hätte ich mich andernfalls für einen Wunschkaiserschnitt entschieden. Mir sind leider mehrere Fälle persönlich bekannt, bei denen das Baby bei einer natürlichen Geburt nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt war und die Kinder schwerstbehindert sind. Außerdem war ich bei der Geburt vollkommen schmerzfrei und konnte gerade die ersten Stunden mit Baby entspannt und schmerzfrei genießen. Das wünsche ich jeder Mutter.
 

Du bist dir unsicher, was du tun möchtest?

Diskutier das Thema doch einfach mal in einem der vielen Internetportale. Bei mamiweb habe ich die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Schwangere und/oder Mütter gleichzeitig online sind und man daher auf geballte Erfahrung trifft.

2 Kommentare zu “Pro und Contra Kaiserschnitt auf Wunsch”

  1. Interview mit mammi2008 (Sylvia Heidemann) « Mein Blog zum Thema Krankheitenam 18.09.2008 um 13:47

    [...] Was anfänglich als Informationsforum für befreundete Mütter für die ersten Monate gedacht war, hat sich inzwischen verselbständigt. Ich freue mich heute nachdem mein Blog nur zwei Monate online ist bereits über eine deutschlandweite Leserschaft. Insgesamt konnte ich feststellen, dass es einen hohen Informationsbedarf zum Thema  ”Schwangerschaft, Geburt und Baby” gibt. Gleichzeitig macht es die Fülle an Plattformen schwierig, objektive und qualitativ hochwertige Informationen zu erhalten. Den größten Erfolg hatte bisher mein Artikel ”Pro und Contra Kaiserschnitt” http://www.mami2008.de/2008/09/04/pro-und-contra-wunschkaiserschnitt/. [...]

  2. Geburtserfahrungenam 05.01.2009 um 18:28

    [...] Ich kann nur jeder Schwangeren empfehlen, sich ausgiebig mit dem Thema Geburt auseinanderzusetzen und sich das Ganze für und wider durch den Kopf gehen zu lassen. Eine Hilfestellung ist vielleicht auch mein Artikel “Pro und Contra Wunschkaiserschnitt”. [...]

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