Sylvia

Haustier und Baby

Manchmal ist ein Haustier bereits da, wenn das Baby kommt. Manchmal möchte man sich nach der Geburt ein Tier anschaffen. Mein Sohn hat sowohl bei uns wie auch innerhalb der direkten Verwandschaft Gelegenheit Kontakte zu verschiedenen Tierarten zu knüpfen. Hierzu gehören Vögel, Katzen und Hunde. Über meine Erfahrungen damit, berichte ich hier.

Hunde

Es ist vollkommen unerheblich wie groß der Hund ist, wieviele es sind oder um welche Rasse es sich handelt. Für das Baby sind sie in den ersten Lebenswochen vor allem eines: vollkommen uninteressant. Die Stoffvariante im Babybett wird da schon eher wahrgenommen. Ein schnell durch das Wohnzimmer huschender lebender Hund dagegen, erlangte zumindest bei meinem Sohn so gut wie keine Aufmerksamkeit. Noch weniger interessant war nur die Variante Hund liegt unter dem Tisch. Eine Veränderung tritt nach einigen Lebensmonaten auf. Dann wird der Hund stärker wahrgenommen. Krabbelt oder läuft das Baby erst einmal, läuft der Hund Gefahr, an Ohren, Haaren, etc. gezogen zu werden, denn das Kind wird garantiert kräftig in das Fell hinheinfassen und so schnell nicht wieder loslassen, was es ergriffen hat. Hierbei ist große Vorsicht geboten und man sollte den Hund schon sehr gut kennen, um seine Reaktion vorhersehen zu können. Auf keinen Fall darf man Hund und Kind unbeobachtet zusammen lassen. Vorsicht ist hier immer geboten.

Ganz besonders wichtig ist bei diesem Haustier die Sicht des Hundes zu berücksichtigen. Für den Hund gibt es hier im Rudel einen Neuankömmling. War der Hund zuerst da, kann es vorkommen, dass der Hund seine Position im Gesamtrudel oder zumindest gegenüber dem Baby neu bestimmen möchte. Es können also Veränderungen in der Verhaltensweise des Hundes auftreten, mit denen man vielleicht nicht gerechnet hat. Eine klare Kommunikation dem Hund gegenüber ist daher sehr wichtig. Einfacher wird es meistens, wenn der Hund erst nach der Geburt des Kindes angeschafft wird.

Katzen

Man könnte vermuten, dass für Katzen grundsätzlich das Gleiche gilt, wie für Hunde. Dem ist allerdings nicht so. Zuerst einmal sind Katzen in der Regel deutlich neugieriger und wagen schon einmal einen Blick auf den Neuankömmling. Sie geraten daher eher in den Blickwinkel des Babys als ein Hund. Das Interesse ist seitens des Babys aber auch hier in den ersten Lebenswochen nicht besonders ausgeprägt. Anders wird das nach einigen Lebensmonaten. Auch hier wird das Baby krabbelnd oder später laufend auf die Katze zugehen und versuchen in das Fell zu fassen. Im Gegensatz zum Hund wird sich diese eine Annäherung aber in den seltensten Fällen gefallen lassen und davonlaufen. Das führt schnell zu einer wilden Verfolgungsjagd quer durch Wohnung oder Haus. Katzen, die ins Freie dürfen haben hier einen klaren Vorteil. Läßt sich die Katze von dem Baby oder Kleinkind erst einmal anfassen ist noch mehr Vorsicht geboten, als beim (eigenen und lieben!) Hund. Eine Katze wird sich in keinem Fall ungestraft am Fell ziehen lassen. Dem Kind sollte daher baldmöglichst beigebracht werden, dass Katzen niemals “gegen den Strich” und nur mit flacher Hand gestreichelt werden dürfen. Alles andere wird schief gehen.

Auch bei der Katze ist der Blickwinkel der Katze unbedingt zu berücksichtigen. Katzen neigen dazu, sich den gemütlichsten Schlafplatz auszusuchen. Je weicher, desto besser. Insbesondere weibliche Katzen mögen zudem einen Ort, der nach mehreren Seiten geschützt ist. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass das Babybett und auch der Kinderwagen sehr beliebte potenzielle Schlafplätze für Katzen sind. Allerdings ist das Einatmen von Katzenhaaren für das Baby nicht besonders empfehlenswert und legt sich eine Katze auf ein bereits im Bett schlafendes Baby kann das tödlich enden. Denn häufig genug, wiegt die Katze mehr als das Baby und der Katze wird nicht klar sein, dass man sich auf eine Babynase nicht legen darf.

Die Kombination aus Baby und Katze führt schnell zu einem Katz-und-Maus-Spiel der besonderen Art. Es ist fast unmöglich, die Katze von den Schlafplätzen des Babys fern zu halten und ein schlafendes Baby sollte bei diesem Haustier immer hinter eine geschlossene Tür. Dabei hat man dann die Gelegenheit die Spitzfindigkeit der Katzen herauszufinden und man wird immer wieder erstaunt sein, mit welchen Haken und Tricks sie arbeiten können, um sich doch noch vor dem Schlafengehen des Babys in dessen Zimmer zu verstecken oder sie versuchen, später noch hineinzuschlüpfen. Ein klar strukturiertes Kinderzimmer mit wenig Versteckmöglichkeiten für Katzen kann von Vorteil sein.

Vögel

Vögel in der Wohnung unterscheiden sich von Hunden und Katzen in zwei für das Baby ganz entscheidenen Dingen. Erstens wird die Geräuschkulisse einer Wohnung durch Vögel anders beeinflusst und zweitens bewegen sich die Vögel im Flug auf einer anderen Ebene. Während ein Hund in der Regel nur hin und wieder mal bellt und das Baby damit eher erschrecken kann, sind Vögel für das Baby eine immer wiederkehrende Geräuschquelle, die es wahrnimmt und relativ früh auch danach schaut. Dadurch, dass Babys in den ersten Lebenswochen in der Regel liegen werden (z.B. auf dem Sofa oder unter einem Spielecenter) wird ein herumfliegender Sittich beispielsweise viel früher wahrgenommen als ein am Boden herumlaufender vielleicht sogar kleiner Hund. Mein Sohn hat bereits in den allerersten Wochen vor Vergnügen gequietscht, als ihm zwei Nymphensittiche um die Nase geflogen sind.

Für Vögel ist ein Baby zunächst einmal nur ein weiteres Flughindernis, das umflogen wird. Krabbelt und läuft das Baby oder später Kleinkind erst einmal, werden die Vögel stärker auf der Hut sein und vielleicht den Abstand zum Kind erhöhen, um nicht davon gefangen zu werden. Insgesamt ist hier allerdings mit keinen Problemen zu rechnen. Sind die Tiere zahm und gehen auch auf das Baby zu muss man allerdings beachten, dass das Zuschnappen eines Schnabels sehr schmerzhaft sein kann. Das Baby ist davor unbedingt zu schützen. Fängt es an, selbst auf die Vögel zuzugehen kann das Erlernen von bestimmten Verhaltensweisen (annähern mit flacher Hand, damt der Vogel daraufsteigen kann, kein Schnappen mit der Hand nach dem Vogel) sinnvoll sein.

Insgesamt sehe ich die Kombination Baby/Katze als die gefährlichste an. Allerdings ist auch die Kombination Baby/Hund nicht unproblematisch, wenn der Hund dem Neuankömmling gegenüber Aggressionen oder Machtgehabe zeigt.

In allen Fällen sollte aber unabhängig von der Art der Haltung des Tieres eines gelten: Hände waschen nachdem das Tier angefaßt wurde. Und auch hier kann ich eines mit Sicherheit sagen: Das wird nicht immer klappen! Ich würde daher empfehlen, Hunde und Katzen regelmäßig zu impfen und vor allem Wurmkuren und Flohmittel regelmäßig zu verabreichen.

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