Vom Kindergeld ein Kind groß ziehen

Vom Kindergeld ein Kind groß ziehen

Als ich mich für ein Kind entschieden habe, hatte ich mir zum Thema Kindergeld noch gar keine Gedanken gemacht. Nachdem mein Sohn das Licht der Welt erblickt und ich den Kindergeldantrag abgegeben hatte, wurden mir kurze Zeit danach das erste Mal 154,- EUR überwiesen. Dann habe ich mir die Frage gestellt: könnte man von 154,- EUR ein Kind groß ziehen?

Ab diesem Moment habe ich erst einmal angefangen, die Kosten zusammenzutragen, auf die man mit so ein kleines menschliches Wesen kommt.

Erstanschaffungen

In den meisten Fällen wird wohl noch vor der Geburt das Kinderzimmer eingerichtet. Hierzu werden Babymöbel bestehend aus Babybett inkl. Matratze, Himmel, und Nestchen, Babyschrank und Wickeltisch gekauft. Hinzu kommen Kinderwagen, Babyschale für das Auto, Wickelauflage, Badewanne, Thermometer für die Badewanne und natürlich auch für das Baby, ein Wasserbehälter für den Wickeltisch und gar nicht zu reden von den vielen “Kleinigkeiten” wie Kuscheltiere, Badetiere, Spucktücher, etc.

Bleibt die Frage, was ist davon wirklich erforderlich? Kommen wir dabei zurück auf die Ausgangsfrage: Kann man mit nur 154,- EUR im Monat ein Baby groß ziehen? Wenn man sich dann unter dieser Voraussetzung die Liste der Erstanschaffungen noch einmal genau ansieht und wirklich auf das Nötigste zurückstreicht komme ich zu folgendem Ergebnis: ein eigenes Zimmer für das Baby ist nicht wirklich eine dringende Notwendigkeit. Grundsätzlich kann das Baby im Schlafzimmer der Eltern und auch im gleichen Bett schlafen. Selbst eine zugfreie Stelle mit weicher Unterlage auf dem Boden wäre problemlos denkbar. Auch auf einen Wickeltisch kann man verzichten. Das Baby läßt sich grundsätzlich überall wickeln. Ein Handtuch zum Schutz darunter legen würde theoretisch reichen. Baden könnte man das Baby auch zuerst im Waschbecken und später bei einem gemeinsamen Bad in der eigenen Wanne. Die Temperatur läßt sich mit einigem Geschick auch mit Hilfe der Handgelenke selbst bestimmen. Wer wirklich auf sein Geld achten muss, wird wohl auch über kein eigenes Auto verfügen. Die Babyschale ist dann auch nicht erforderlich. Den Kinderwagen kann man durch ein Tragetuch ersetzen. Rein theoretsich wäre es natürlich auch möglich, das Kind tagsüber im Bett zu lassen und ggfs. mal herumzutragen. Dann könnte man (ich betone: rein theoretisch!) auch auf das Tragetuch verzichten.

Unterm Strich sind keine Anschaffungen vor der Geburt zwingend notwendig.

Ich möchte hier aber nicht falsch verstanden wissen. Es geht mir hier nicht darum, einen Lehrpfad aufzubauen, der allen Müttern vorrechnet, dass man mit viel weniger Geld auskommen kann oder gar sollte. Es geht mir nur darum rein theoretisch mal zu überlegen, ob es überhaupt möglich ist, mit 154,- EUR im Monat ein Kind zu versorgen.

Die ersten vier bis sechs Monate

In dieser Zeit wird das Baby entweder gestillt oder mit Milchnahrung versorgt. Windeln können entweder gewaschen werden oder man nimmt die Einwegwindeln aus dem Handel. In jedem Fall fällt hier entweder sehr viel Arbeit oder viel Müll an. Dann benötigt das Baby auf jeden Fall noch Kleidung. Die Kosten fallen je nachdem wofür man sich entscheidet, sehr unterschiedlich aus:

  • Wird das Baby gestillt und verwendet man waschbare Mullwindeln lassen sich die Kosten auf ein Minimum reduzieren. Kauft man die Babykleidung dann noch in einem Second Hand Laden und wäscht diese täglich per Hand, kann man ebenfalls viel Geld sparen. Zudem benötigt man bei täglicher Handwäsche weniger Kleidung, da man bei der Maschinenwäsche die längere Zeit von einer bis zur nächsten Wäsche überbrücken muss. Ohne an dieser Stelle auf die Details eingehen zu wollen, bin ich der festen Überzeugung, dass man in diesem Fall mit 154,- EUR im Monat auskommen wird. Ganz im Gegenteil wäre es in diesem Fall wahrscheinlich sogar möglich, Geld zu sparen.
  • Wird das Baby gestillt und verwendet man herkömmliche Einwegwindeln sieht die Rechnung anders aus. Pro Monat fallen in den ersten Lebensmonaten ca. 40 bis 50,- EUR nur für Windeln an. Hinzu kommen die Stilleinlagen. Kauft man die Babykleidung in diesem Fall ebenfalls in einem Second Hand Laden ist es grundsätzlich möglich, mit dem Kindergeld auszukommen. Allerdings wird man angesichts des schnellen Wachstums des Kindes auf neue teure Markenkleidung für das Baby verzichten müssen.
  • Bekommt das Baby Fertigmilch und werden gleichzeitig Einwegwindeln verwendet kommen deutlich höhere Kosten auf die Eltern zu. Wieder liegen die Kosten der Windeln bei ca. 40 bis 50,- EUR. Hinzu kommen die Kosten für die Milch. Hier liegen die Ausgaben ebenfalls bei ca. 40 bis 50,- EUR pro Monat. In diesem Fall bleibt nicht sehr viel Geld übrig für Babykleidung. Selbst ein Babypulver, eine Wundcreme etc. werden hier schon zu echter Anschaffung, die erst einmal in den Monat hineingeplant werden müßte. Nimmt man immer die günstigste Windelpackung und immer die günstigste Milch und kauft dann noch im Second Hand Laden ist es theoretisch noch möglich, mit dem Kindergeld auszukommen. Allerdings muss man schon sehr scharf kalkulieren und darf kein Geld für das in der Milch verwendete Wasser und die Kosten für das Wäschewaschen und die Müllentsorgung berücksichtgen.

Ab dem 6. Lebensmonat

Irgendwann nach dem vierten Lebensmonat wird der Tag kommen, an dem das Baby zum ersten Mal feste Nahrung zu sich nimmt. Dies kann ein selbst gekochter Brei sein oder ein fertiges Gläschen aus dem Handel.

  • Setzt man auch hier auf “Eigenproduktion” und kocht selbst, lassen sich günstige Mahlzeiten für das Baby erstellen. Wenn man zuvor gestillt hat und die Milchmahlzeiten auch weiterhin durch Stillen erbringen kann, wird das Thema “Essen und Baby” jetzt zwar etwas teurer, aber es ist noch immer überschaubar. Es ist auch weiterhin denkbar, wiederverwendbare Windeln zu nutzen. Auch ohne eigene Erfahrungen hiermit zu haben, bin ich mir sicher, dass man bei dieser Variante mit dem Kindergeld grundsätzlich auskommen könnte.
  • Wählt man ganz im Gegenteil die “Gläschen-Variante” und kauft handelsübliche Babymahlzeiten im Glas und verwendet man gleichzeitig Einmalwindeln, kommen jetzt ganz andere Kosten auf einen zu. Die Babymahlzeit wird durchschnittlich mit 1,- EUR zu Buche schlagen, wenn man günstige Gläschen erwirbt. Allerdings liegen manche auch deutlich über 1,- EUR. Hier kommen schnell 5,- EUR pro Tag zusammen, wenn erst einmal alle Stillmahlzeiten durch einen Brei ersetzt wurden. An dieser Stelle brauche ich die Kosten für Getränke, für die Windeln und schon gar keine Kosten für Babykleidung mehr berücksichtigen. Die 154,- EUR werden hier nicht nur voll aufgebraucht. Ganz im Gegenteil reichen sie vorn und hinten nicht mehr.

Fazit

Grundsätzlich wäre es möglich, die ersten ca. 12 Lebensmonate mit dem Kindergeld auszukommen. Allerdings wäre hier ein extrem großer Einsatz seitens der Eltern notwendig. Hierzu müßten ständig Windeln und auch die restliche Wäsche gewaschen werden. Auch beim Wickeln etc. gibt es alles anderes als einen Komfort. Ein Elternteil wäre hier mit Sicherheit ganztägig für das Baby im Einsatz. Geht der andere Vollzeit arbeiten, wird man wohl eine dritte Person benötigen, die für eigene Mahlzeiten und für ein wenig Ordnung in der eigenen Wohnung sorgt. Hier bleibt dann wohl nur der Weg zurück zur Großfamilie.

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