08.01.2009
Typische Verhaltensweisen von Frühchen
Wenn man nach einer Frühgeburt mit Baby das Krankenhaus verlassen kann, wird man relativ schnell zwei Dinge feststellen. Erstens, das Baby unterscheidet sich in vielen Dingen von anderen Babys, zweitens, man ist weitestgehend auf sich selbst gestellt, da selbst Hebammen und Ärzte nur sehr wenige Informationen hierzu geben oder geben können.
Mein Sohn ist in der 36. Woche zur Welt gekommen. Von vielen Seiten, insbesondere sogar von einer Hebamme musste ich mir sagen lassen, dass es eigentlich keinen Unterschied gäbe zwischen einer Frühgeburt in der 36. Woche und einer Geburt um den Entbindungstermin. Inzwischen ist mir klar, dass das nicht so ist. Ein zu früh zur Welt gekommenes Baby unterscheidet sich in vielen Verhaltensweisen von denen eines “9-Monats-Babys”. Leider habe ich nur sehr wenige Informationen zu diesem Thema erhalten und selbst gefunden. Hier möchte ich zumindest meine eigenen Erfahrungen darlegen und vielleicht findet sich die ein oder der andere, und kann mehr dazu sagen.
Schreien
Frühchen schreien zumindest bis zum Erreichen des errechneten Geburtstermines sehr viel weniger als 9-Monats-Babys. Hintergrund ist wohl, dass zu früh Geborene über weniger Fett- und damit Kraftreserven verfügen. Um ihre Kräfte besser einzuteilen “überlegen” sie sich sehr gut, wofür sie ihre Kräfte einsetzen und versuchen, jeden Schrei zu umgehen. Denn Schreien kostet Kraft. Bei unserem Sohn war es beispielsweise in den ersten Wochen möglich, alle Fütterungen ohne jedes Geschrei zu erleben. Hatte er Hunger meldete er sich durch Schmatzen. Erst wenn dieses über einen längeren Zeitraum nicht erhört wurde, schrie auch er. Um den Zeitpunkt des errechneten Geburtstermines herum, hat sich dann die Situation grundlegend geändert und mein Sohn verhielt sich mehr oder weniger plötzlich genauso wie alle anderen Kinder auch. Auch heute noch ist es zwar möglich, ohne großes Geschrei durch den Tag zu kommen, aber es ist deutlich schwieriger und auch mein Sohn nimmt jeden noch so kleinen Anlass gerne wahr, um mir zu demonstrieren, wie gut er schreien kann.
Reizüberflutung
Wird ein Baby einer Fülle von Reizen ausgesetzt, reagieren viele “normale” Babys im ersten Moment noch unauffällig und sind dafür am Abend sehr unruhig und vielleicht nur schwer in den Schlaf zu bringen. Bei einem Frühchen kann es vorkommen, dass es versucht, der Reizüberflutung zu entgehen. Unser Kind hat sich in einer derartigen Situation häufig schlafend gestellt. Obwohl es kurz zuvor noch wach und munter war fielen ihm urplötzlich die Augen zu. Hin und wieder hat er dann geblinzelt, wohl um nachzuschauen, ob die Situation noch die gleiche war, wie zu dem Zeitpunkt, als er die Augen geschlossen hatte. Hintergrund ist wohl auch in diesem Fall eine Art Schutzmechanismus. Auch diese Verhaltensweise hat mein Sohn um den errechneten Geburtstermin herum wieder abgelegt. Danach war er einer Reizüberflutung genauso ausgesetzt, wie jedes andere Kind auch und wir hatten mit den gleichen Problemen zu kämpfen.
Wahrnehmung
Bei der U3 soll ein Baby in der Lage sein, einen Gegenstand über einen längeren Zeitraum anzuvisieren. Im Gegensatz zu einem 9-Monats-Baby wird man nach einer Frühgeburt feststellen, dass das Baby schon verhältnismäßig früh beginnt, sich lebhaft für seine Umgebung zu interessieren. An besonders interessanten Gegenständen (z.B. Beleuchtung) wird der Blick dann sehr schnell hängenbleiben und verweilen. Ich vermute, dass Babys, die nicht die Kraft haben, sich mit Dingen wie Schreien zu beschäftigen einfach mehr Zeit bleibt, um sich für die Umgebung zu interessieren. Frühchen beschäftigen sich weniger mit Dingen, die einen Krafteinsatz erfordern, denn dem könnten sie ohnehin nicht lange standhalten. Aber auch sie suchen sich ein Beschäftigungsfeld und punkten daher in Sachen Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Allerdings bleibt dies auch über einen längeren Zeitraum erhalten und verschwindet nicht so ohne weiteres zum Zeitpunkt des errechneten Geburtstermines.
Zukunftsaussichten
Meiner Erfahrung nach verhält sich ein Frühchen im Großen und Ganzen ab Erreichen des errechneten Geburtstermines wie alle anderen Kinder, vorausgesetzt, die Frühgeburt hat nicht derart früh stattgefunden, dass größere medizinische Hilfestellungen erforderlich wurden oder gar weitere dauerhafte Probleme aufgetreten sind. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Defizit im Bereich Kraft durchaus länger anhält und auch nach mehreren Monaten nicht ausgeglichen wird. Es ist daher vollkommen normal, wenn das Kind nach einer Frühgeburt in den Bereichen Kraft und Motorik nicht dem Anforderungskalender voll entspricht. Dafür darf man sich darüber freuen, dass es seine Umgebung schneller wahrnimmt, früher anfängt zu “plappern”, den Kinderarzt beim zweiten Termin ebenso wiedererkennt, wie die dort vorhandenen Spielsachen und sich die richtige “Bearbeitung” eines Spielzeuges bereits nach dem ersten Spiel gemerkt hat und bereits beim zweiten Mal sicher wieder anwendet. Leider muss ich gestehen, dass dies auch für elektronisches Spielzeug mit furchtbar dudelnden Geräuschen gilt. Glücklicherweise beherrscht mein Sohn alle Spielvarianten und kann mehrere Melodien aus dem Gerät “zaubern”, so dass ich mir die gleiche Melodie zur selten zweimal hintereinander anhören muss. Besonders nervenaufreibend kann so ein kleiner Kerl werden, wenn er weiss, wie man z.B. krabbelt, es aber körperlich einfach nicht schafft. Da ist viel Geduld, liebevolles Zureden und ein gutes Krafttraining gefragt. Eine geeignete Physiotherapeutin kann hier helfen. Auch sonst kann ich nur empfehlen, dem Defizit in Sachen Kraft und Motorik durch eine Babygymnastik zu begegnen. Aber keine Angst, auch ohne Babygymnastik schafft der kleine Kerl es, seinen “Kollegen” nachzueifern und wird sie eines Tages eingeholt haben.
Bitte nicht!
Ein Frühchen mit einem gleichaltrigen 9-Monats-Baby zu vergleichen wäre unfair und sollte man auch nicht tun. Die Zeit, die das Baby zu früh zur Welt gekommen ist, sollte man von dem Alter abziehen und wenn man unbedingt Vergleiche anstellen möchte, dann bitte nur auf dieser Basis. Leider behandeln die meisten Kinderärzte Frühchen so, als wären sie zum Geburtstermin zur Welt gekommen und stellen die gleichen Anforderungen an diese Kinder. Spätestens wenn es um Kraft und Motorik geht, wird das Kind aber ein Defizit aufweisen. Sollte ein Arzt hieraus eine Art “Drama” machen, lieber den Arzt wechseln und einen aufsuchen, der mit Frühchen Erfahrung hat und damit umzugehen weiß. Ich empfehle, lieber auch einen zweiten oder dritten Arzt auszuprobieren, bevor man sich hier verrückt machen läßt.
Foren
Es gibt verschiedene Foren, in denen man sich nach einer Frühgeburt austauschen kann. Hierzu gehören die verschiedenen Gruppen bei www.mamiweb.de, aber auch unter www.rund-ums-baby.de/fruehchen und unter www.fruehchen.de.




Hallo,
bei uns ist es erst in 7 Monaten so weit. Bisher scheint alles normal zu verlaufen. Je mehr man sich aber mit dem Vater werden und der Geburt beschäftigt, desto mehr Angst bekommt man auch. Wann und wie kann man denn feststellen wie hoch die Gefahr für ein Frühchen ist?
Bye, Chris